Italien

Wir stehen früh auf, frühstücken in aller Ruhe vor dem Womo, vertauen alles reisefertig und machen uns nach dem Auschecken auf den Weg.

Als erstes wollen wir die Nudelfabrik Martelli in dem Örtchen Lari besichtigen. Dort werden noch die Nudeln wie vor Jahrzehnten von Hand gefertigt und hergestellt. Der Betrieb befindet sich noch immer in Familien-Besitz.
Einzig und allein die Angabe des Navi macht uns etwas unruhig: „Das angegebene Ziel ist nicht direkt erreichbar!“ uns nein, wir haben kein LKW-Navi sondern ein ganz normales PKW-Navi. Wir machen uns trotzdem auf den Weg, verlassen Florenz und genießen die Fahrt über Land.

Endlich sind wir soweit in die Umgebung des Örtchen Lari herangekommen, dass und schon mal die Wegweiser bescheid geben, wo es langgeht.

Die Landschaft ist ein kleinwenig hügelig, aber ein Berg ragt schon besonders heraus. So langsam befällt mich eine leise Vorahnung: Auf diesem Berg liegt das Örtchen Lari mit einer sehr schönen alte Burgruine. Aber ob und wie wir mit unserem „Schlachtschiff“ dorthin gelangen ist noch ein Rätsel.
Aber mein „MarioMario“-Navi meint es geh, also fahren wir weiter. Die Straßen werden immer enger und steiler und plötzlich stehen wir mitten auf der Hauptkreuzung von Lari und in jede Richtung gehen Straßen ab, die für LKWs gesperrt sind und die auch nicht wirklich befahrbar für uns sind.
Wir folgen der einzigen Möglichkeit, der offiziellen Straße für Busse, und tasten uns meterweise langsam aber sicher an hohen Mauern und hervorstehenden Hausecken vorbei bis wir ohne Schrammen auf dem Busparkplatz etwas außerhalb des Ortes stehen. Sogar etwas Schatten gibt es hier, den wir nutzen können. Wir parken unseren Nasenbären entsprechend im Schatten und machen uns auf den Weg.

Das Örtchen ist ganz toll, der Friedhof typisch südländisch und die Nudelfabrik haben wir dann auch endlich gefunden. Wir sind auch nur ca. 3x daran vorbei gelaufen bis uns eine nette Dame herein bittet und meint wir könnten uns einmal umschauen es käme gleich jemand, der uns alles erklären könnte.

In eine kleinen Vorraum treffen wir noch auf eine andere Familie, es müssten der Sprache nach Norweger oder Schweden sein, und dann kommt auch schon jemand, der mit uns eine „Betriebsbesichtigung“ macht.
Es ist ganz witzig, denn es ist mehr oder weniger italienisch, deutsch und englisch gemischt und Mario und ich versuchen es dann ins englische für die andere Familie zu übersetzen.

Auf jeden Fall war es sehr schön und kurzweilig.

In einem sog. „Alimentari“, also einem „Tante-Emma-Laden“ mit angeschlossener Bar kann man dann auch diese Nudeln käuflich erwerben. Wir decken uns gut ein und denken natürlich dabei auch an unsere Lieben daheim.

Caro bekommt noch ein Eis, wir übrigens auch und schlendern langsam wieder Richtung Womo.
Vorher genießen wir aber noch ein schattiges Plätzchen auf einer Mauer und verspeisen unser Eis.

Hier bekommen wir dann das zweite mal für heute die immer so viel erwähnte „Gastfreundschaft“ der Italiener zu spüren.
Ein älterer Mann kommt mit einer Kiste Pfirsichen die Straße längs, kommt direkt auf und zu und meint, wir sollten uns doch bitte welche nehmen. Wir schauen etwas ungläubig, aber nachdem er dann Caro einen superdicken Pfirsich in die Hand gedrückt hat, verlieren auch wir die Scheu und greifen zu. Artig bedanken wir uns mit einem „mille grazie“ und der ältere Herr zieht glücklich lächelnd seines Weges und wir machen jetzt auf zum Womo.
Bevor wir weiter fahren verspeisen wir noch die total leckeren und obersaftigen dicken Pfirsichen, die in keine EU-Norm passen würden. Vielleicht schmecken sie deshalb einfach nur lecker......


Mario sucht noch kurz eine Unterkunft / Stellplatz für die Nacht und schon geht es wieder weiter.

 

Durch schmale Strassen geht wieder hinab in die Ebene und wir landen dann auf einem sog. Agri-Tourismo, sprich einem Bauernhof mit angeschlossenem Campingplatz.

Wir suchen uns einen Stellplatz mit direktem Blick zum See-Ufer aus, richten uns gemütlich ein und wollen hier für die nächsten Aage mal die Seele baumeln lassen und uns ein wenig von dem Großstadt-Stress erholen.

Mario und Caro erkunden derweil mal den See, mit und ohne Kanu und ich genieße die Ruhe mit einem guten Buch an Land.

Ab 17:00 Uhr wird es dann auch endlich etwas kühler und erträglicher.....

 

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Auch heute gilt die Divise: „Bloß keinen Stress und immer schön gemütlich"

Caro und Mario sind mehr im und am Wasser als an Land.

 

Nur mir geht es heute nicht so toll. Leider habe ich seit letzter Nacht einige Probleme mit meinem Magen und Darm und bin mehr auf der Toilette als sonst wo. So lege ich mich wieder hin und ruhe noch bis kurz nach Mittag.

Die beiden sind mittlerweile mal mit dem Fahrrad Richtung Dorf aufgebrochen und machen sich auf die Suche nach einem „Alimentari".

Nachdem die beiden eher mit einer Auswahl für eine Pizza zurück gekommen sind, frage ich dann schon mal nach, ob ich heute morgen nicht deutlich gesprochen habe, oder ob sie vergessen haben, was sie kaufen sollten.

Nun, nachdem mir Mario dann erklärt hat, dass das einzige „Geschäft" in diesem Dorf der Kühlraum einer Pizzeria ist, wo man dem Pizza-Bäcker zeigen kann, was man haben möchte, erklärt sich mir der Einkauf dann wie von selbst.

Aber auch das hier keiner Englisch spricht, selbst die Dorfjugend nicht, lässt erahnen, wie tief wir hier in der „Provinz" sind und Caro dann noch zum besten gibt, wie sich die beiden verständigt haben, lässt auch meine Laune wieder besser werden.

Auf jeden Fall haben das Brot, die Tomaten und der Mozarella super lecker geschmeckt.

Das einzige, was auch hier wieder die Urlaubsfreude trübt, ist der hohe Preis für den Stellplatz, die schlechten hygienischen Bedingungen der sanitären Anlagen und die zu geringe Absicherung des Stromes. Auch hier versagt wieder der elektrische Wasserkocher, von der Klimaanlage ganz zu schweigen.

Mario und ich beratschlagen dann noch ganz kurz, wie wir den morgigen Tag planen sollen und entschließen uns früh Richtung Pisa aufzumachen.

Caro ist schon lange im Traumland gelandet als wir die letzten Anti-Mücken-Kerzen löschen und uns für die Nacht fertig machen.

Auch wir schlafen zügig ein und auch gut durch.

 

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Früh sind wir gestartet und sind somit auch schnell in Pisa angekommen.

Wir checken auf dem Stellplatz direkt bei dem offiziellen Busbahnhof ein, bezahlen unseren Obolus und hängen uns erst ein mal an den Strom.
Auch hier stellen wir wieder fest, die Klimaanlage  funktioniert nicht. Ehrlich gesagt, hatte ich auch nichts anderes erwartet.

Mario schaut noch mal genauer bei den Steckdosen und stellt fest, dass unser Womo-Nachbar eine Steckdose mit einer anderen Absicherung hat und dessen Klimaanlage funktioniert, denn unter dem Womo bildet sich langsam aber sicher ein kleiner See, der durch abperlende Tropfen vom Dach gebildet wird. Untrügbar ein Zeichen für eine Klimaanlage, auch die Geräuschkulisse lässt darauf schließen.

Also lernen wir, Italiener werden bevorzugt behandelt, die anderen sind Touristen und können abgezockt werden. Kurzerhand stöpselt Mario um, wirft die Klimaanlage und wir entschwinden frohen Mutes gen Schiefem Turm.

Die 800mFußweg lassen sich trotz der schon recht großen Hitze noch gut bewältigen und wir sind auf dem Gelände angekommen.

Mario kümmert sich um die Eintrittskarten und kehrt nach einer halben Ewigkeit wieder ziemlich motzig zu uns zurück.

Der Eintrittspreis für den Schiefen Turm soll 15,00€/Person kosten und wir kämen wohl erst frühestens gegen 17:00Uhr dann in einer 20ziger Gruppe auf den Turm.
Wir haben aber erst 11:00Uhr. Somit entschließen wir uns nur eine Eintrittskarte für den Dom zu lösen und von den gesparten 45€ dann schö Essen zu gehen.
Wie sich im nachhinein herausstellen sollte eine gute Entscheidung.

Wir lassen uns von der architektonischen Meisterleistung des Dombaues gefangen nehmen und genießen die angenehme Kühle im Innern des Gebäudes.
Auch hier ist wieder das komplette Gestühl entfernt worden, übrigens in fast allen bedeutenden Kirchen Italiens, was kein wirkliches Ambiente einer Kirche aufkommen lässt.
Aber das unmöglichste in einer Kirche sind elektrische Opferlichte. Man nimmt eine Kunstoffkerze mit einem elektrischem Lämpchen am Ende und steckt dieses dann in einen Halter. 1,50€ sollten dann anschließend im Opferstock klingeln.
Pustekuchen!!!!!! Caro hat es einfach so gemacht und dann war gut. Aber es war ihr schon wichtig eine Kerze mit guten Wünschen zu „entzünden“.


Nach einer Weile treffen wir uns draußen wieder und machen uns dann langsam auf in Richtung Innenstadt.
Da uns allen der Magen knurrt, suchen wir uns abseits der Haupt-Touristen-Pfade ein einfaches schönes Lokal und lassen uns mit landestypischen Speisen verwöhnen. Und es hat weniger gekostet als der Eintritt für den Schiefen Turm.
Nach einer ausgedehnten Mittagspause können wir unsere Füße noch mal überreden uns durch die Altstadt zu tragen. Wir kommen auch an der Universität Fachbereich Geologie vorbei und ein Werbeschild lädt uns zu einer kostenlosen Ausstellung über die Marmorsteinbrüche von Carrara ein.

Caro möchte es sich gerne anschauen und wir sind erstaunt, denn die Ausstellung ist deutschsprachig da sie mit einer deutschen Uni zusammen entwickelt worden ist.
Und sie darf sich sogar noch ein Stück Marmor mitnehmen.

Wir machen uns dann wieder auf und schlendern noch ein wenig durch die Stadt und schauen uns noch das ein oder andere Gebäude an.

Um 17:00Uhr kehren wir dann total erschöpft zu unserem Womo zurück und freuen uns eigentlich auf einen geruhsamen Nachmittag.

Aber denkste.
Als wir am Womo-Stellplatz ankommen stehen in direkter Nachbarschaft ca. 40 große Reisebusse mit laufendem Motor, eine Unterhaltung ist unmöglich, von dem Gestank mal abgesehen.
Auch lungern dort noch einige der fliegenden Händler herum, die einige gefälschte Marenprodukte feilbieten.
Weiterhin ist der Stromstecker in eine andere Steckdose gesteckt worden, ohne das wir wissen, ob wir überhaupt noch Stom haben. Gut das der Kühlschrank immer auf Automatik läuft und somit notfalls über Gasversorgung arbeiten kann.

Alles in allem lässt das unsere Laune sofort auf den Nullpunkt sinken, alle sind mutzig und übelst gelaunt.
Wir entscheiden kurzfristig heute noch weiter zu ziehen, da der Lärm mind. noch bis 22:00 Uhr dauert weil so lange der Schiefe Turm zur Besichtigung offen ist. Außerdem haben wir keinen Bock auf ständiges: “Do you want something?“ unserer dunkelpigmentierten europäischen Mitbürger.

Schnell ziehen wir den Stecker aus der Dose und machen uns erst einmal aus dem Staub.
Als Erkenntnis bleibt, dass wenigsten unser Womo für 15€ in der Zeit gut bewacht worden ist....

Wo genau wir heute Abend unser Lager aufschlagen wissen wir noch nicht, aber definitiv nicht hier.

Wir fahren auf gut Glück Richtung Carrara, aber immer an der Küste längs.
Nach einigen endlos gefühlten Stunden finden wir endlich ein Plätzchen auf einem überwiegend von Italienern „besiedelten“ Campingplatz.
Eher macht es den Eindruck, dass es ein Campingplatz für Dauercamper ist.....
Nach wie vor reicht der Strom nicht für die Klimaanlage, die Toiletten und Duschen werden auch hier nicht unsere Freunde und der Rest, na ja, für das Geld kann man mehr erwarten....

Wir richten uns ein, Caro holt ihr Einrad aus der Heckgarage und ist sofort von einigen Kindern umlagert, die es nicht glauben können, dass man mit so etwas sich fortbewegen kann.

Mario geht dann mal die Duschen inspizieren und kommt völlig frustriert zurück , kramt sämtliche  50 Cent hervor und verschwindet wieder Richtung Duschen.
Wir genießen trotzdem noch den Abend mit einem kühlen Bier und einem netten Plausch mit einer deutschen Familie, die mit dem Zelt unterwegs ist.

 

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Heute wollen wir ein letztes Mal den Strand. Also packen wir unsere sieben  Sachen zusammen und maschieren los. Der Weg ist schon relativ weit und der Sand glühend heiß. Schließlich finden wir ein kleines Fleckchen Sand, der nichts „kostet“ und auch dem CP gehört.

Mario und Caro machen sich auf in Richtung Wasser und ich hüte unsere Sachen und versuche dem Sonnenschirm ein wenig Schatten zu entlocken.
Nun, wenn ich eine Schlange wäre könnte ich mich wohl um die Stange kringeln und läge im Schatten, aber leider sind meiner Beweglichkeit schon deutliche Grenzen gesetzt und langsam geht mir die Sonne und die Hitze wirklich auf den Wecker. Hinzu kommt noch, dass ich schon wieder die halbe Nacht auf Toilette zugebracht habe und somit aufgrund von ungewolltem Schlafentzug genauso grummelig bin wie mein Magen, bzw. der Darm.

Na ja, ich nehme mir trotzdem ein Buch und beginne zu lesen.
Plötzlich schrecke ich hoch, denn irgendetwas Kaltes und Nasses klatscht auf meinen Bauch.
Es ist Caro, die ihre Taucherbrille über meinem Bauch ausgeleert hat. Ich muss wohl ein wenig weggedöst sein.
Glücklich über dieses Abkühlung erwachen meine Lebensgeister wieder und wir aalen uns noch ein wenig am Strand herum bevor wir so gegen 16:00 Uhr wieder zurückkehren.

Auch Caro und ich nehmen heute Abend den Kampf mit den Duschen auf und beschließen während des Abendessens gemeinsam, dass wir morgen Richtung Gardasee aufbrechen und dort noch einige Tage verbringen wollen.

Wir brechen zeitig auf, denn schon jetzt, morgens gegen 8:30 Uhr, hat’s schon 26°C bei fast 70% Luftfeuchtigkeit.......

Mein “MarioMario-Navi” weist mir wieder einmal per GPS-Maus und Laptop den Weg und scheucht mich Straßen rauf und runter, die sogar schon mit einem normalen PKW sehr kritisch wären.

Aber der dickste Hammer kommt noch.
Es geht eine Straße den Berg hinunter, direkt am Gardasee, die für LKWs über 9m Länge gesperrt ist.
Warum nur??? Kann ich gar nicht verstehen, aber in so mancher Spitzkehre hoffe ich, dass ich unseren „Dicken“ in einem Rutsch um die Kurve bekomme. Denn bei 10 – 15% Gefälle und einer sehr engn Straße habe ich keine Lust zu rangieren.

Aber es klappt und wir haben auch Gott sei Dank keinen größeren Gegenverkehr. Außer ein paar Einheimische, die uns sofort durch mit dem PKW rückwärtsfahrend bis zur nächsten Ausweichbucht  platz machen und uns freundlich grüßend vorbeiwinken.

Mario hat sogar noch Nerven ein paar tolle Photos zu machen. Ich hingegen bin froh, dass ich ohne Schrammen und sonstigen Vorkommnissen unten auf der doch um einiges breiteren Straße wieder angekommen bin.

Gerne würden wir uns jetzt mal irgendwo ein wenig die Füße vertreten und auch mal einen Kaffee trinken wollen. Aber das geht hier gar nicht.
Man findet überall auf öffentlichen Parkplätzen Höhenbegrenzungen unter denen wir auch ohne Alkoven nicht drunter herpassen würden.
Wir gewinnen immer mehr den Eindruck, dass hier Wohnmobilsten eindeutig zu einer unerwünschten Urlauber-Gruppe gehören.
Gut eine Chance geben wir ihnen noch und steuern einen CP an.
Nach einer kurzen Zeit kehrt Mario völlig genervt wieder zurück und verkündet, das man lieber Pommesbudenzieher hier sehen möchte.

Da wir dieses einfach nur unmöglich finden schlagen wir allerzügigst den Weg Richtung Sterzing ein und werden dort unser Nachtlager aufschlagen.
Diese Region hat uns heute zum allerletzten Mal gesehen.....

 

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